Erprobung neuer Wege in die Ausbildung

Bei den beiden Berlin braucht dich! Pilot-Treffen am 31. August und am 11. Oktober wurde gemeinsam mit den beteiligten Partner*innen Bilanz zum ersten Durchlauf im Schuljahr 2016/17 gezogen. Darüber hinaus wurden nötige Optimierungen für die nächste Runde erörtert.

Das Pilotvorhaben „Erprobung neuer Wege in Ausbildung“ startete im Oktober 2016 mit dem Ziel mögliche Hürden für Jugendliche aus Familien mit Einwanderungsgeschichte in den Rekrutierungs- und Auswahlverfahren der Betriebe aus dem Berlin braucht dich! Konsortium zu identifizieren und diese Diversity sensibler zu gestalten. Bei den Änderungen der Auswahlverfahren geht es darum, Menschen, die auf dem Ausbildungsmarkt strukturell benachteiligt sind, ungleich (besser) zu behandeln, um ihre strukturelle Benachteiligung auszugleichen. Zu diesem Zweck wird die Performance im Praktikum aufgewertet. Erfolgreiche Pilot-Praktika sollen als Grundlage dienen für eine Entscheidung über den Eintritt in Ausbildung.

Etwa die Hälfte der Jugendlichen, die ein Pilot-Praktikum absolviert haben, gelangte anschließend ins Bewerbungsverfahren. Den letzten Schritt in die Ausbildung schaffte davon wiederum die Hälfte der Bewerber*innen. Die Praktika in den Pilot-Betrieben wurden in der Regel positiv bewertet. Gründe für nicht erfolgte Einmündungen in eine Ausbildung gestalten sich divers. Eines der Probleme liegt beispielsweise in der Kommunikation vorab oder der Prüfungsangst, die dazu führt, dass Bewerber*innen nicht zum Vorstellungsgespräch erscheinen. Teilweise sind Schulleistungen unzureichend oder „zu gut“. Weitere Gründe liegen in zu hohen Fehlzeiten seitens der Schüler*innen oder zu langen Wartezeiten auf dem Weg von einer Bewerbung bis zu einer verbindlichen Zusage.

In der kommenden Phase gilt es nun, gemeinsam diesen Herausforderungen entgegen zu wirken und die Verfahren zu vereinheitlichen. Dazu werden unterschiedliche Schritte nötig sein wie beispielsweise Formen der Ausbildungszusicherung  und die Anerkennung von erfolgreichen Praktika, die in anderen Pilot-Betrieben durchgeführt wurden. Ein weiterer Faktor, der dazu führt, dass Schüler*innen nicht in Ausbildungsberufe einmünden, liegt darin, dass das Abitur als Abschluss noch immer erstrebenswerter scheint – sowohl für die Jugendlichen als auch deren Eltern. Daher gilt es in der Zukunft, sich auf Schüler*innen ohne Empfehlung zur gymnasialen Oberstufe zu konzentrieren. Zudem muss die duale Ausbildung dringend aufgewertet werden, zum Beispiel durch Anreize wie Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen im Betrieb. Um an Dualer Ausbildung interessierte Schüler*innen auf dem Weg in eine Ausbildung konstant zu begleiten, werden Unterstützungsangebote und neue Modelle der Berufsorientierung an Schulen eingerichtet.

Die beiden Treffen brachten konstruktive Ansätze hervor und das Format wird zukünftig regelmäßig stattfinden. In diesem Rahmen werden gemeinsam Systematiken und Strukturen geschaffen, die es ermöglichen Probleme im Verfahren zu identifizieren und den Kommunikationsfluss zwischen allen Beteiligten aufrecht zu erhalten. Zu Beginn des neuen Jahres ist eine Geschäftsführungsversammlung mit der Senatorin für Arbeit, Integration und Soziales, Elke Breitenbach, geplant.