„Die Vielfalt wird vielfältiger“

Auf Einladung des Berliner Integrationsbeauftragten fand am 11. Oktober 2017 in den Räumlichkeiten des Charité Facility Management ein Berlin braucht dich! - Ausbildungsleitungstreffen statt. Den thematischen Schwerpunkt des Treffens bildete die Ausbildungsgestaltung unter Berücksichtigung der wachsenden Vielfalt der Auszubildenden in Berliner Betrieben und Behörden. Teilnehmende waren Vertreter*innen der Landesbetriebe und der öffentlichen Verwaltung.

Dr. Tillmann Löhr, Referatsleiter im Büro des Integrationsbeauftragten, begrüßte die Runde und führte in die Thematik ein.  In der Diskussion stimmten die Betriebsvertreter*innen in einer Erkenntnis überein: „Die Vielfalt wird vielfältiger“. Das bedeutet, dass unter anderem die Altersspanne der einmündenden Auszubildenden immer breiter wird. Sie reicht von 16-jährigen Schulabgänger*innen bis hin zu 30-jährigen Anwärter*innen mit weitaus mehr Lebenserfahrung. Eine weitere Herausforderung beim Thema Vielfalt liegt, so zeigte die Debatte, in der stereotypen Besetzung von Berufsbildern. Hier unternehmen die Betriebe Bemühungen, mehr Frauen für technische Ausbildungsberufe und mehr Männer für Ausbildungsberufe im Verwaltungsbereich zu begeistern. Im Spektrum der Ausbildungsgestaltung wurden auch die erfolgreichen Einstiegs-Qualifizierungsmaßnahmen für Geflüchtete thematisiert. Viele Betriebe haben dadurch nochmal einen großen Schub für die Vielfalt in der Ausbildung erfahren. Der Berlin braucht dich! Pilot „Erprobung neuer Zugänge in die Ausbildung“ hat ebenfalls Früchte getragen mit Blick auf heterogenere Azubi-Konstellationen. Hier sind im ersten Durchlauf etliche erfolgreiche Einmündungen von Berlin braucht dich! Schulen in die Ausbildung der Partnerbetriebe erfolgt.

Mit der wachsenden Ausdifferenzierung unter den Auszubildenden geht auch eine organisatorische Vielfalt in der Umsetzung der Ausbildungsgestaltung einher. Betriebe, die in mehreren verschiedenen Berufen ausbilden, werden vor die Herausforderung gestellt, mit unterschiedlichen Berufsschulen und weiteren begleitenden Bildungsträgern zusammenzuarbeiten, die jeweils unterschiedliche Strukturen und Arbeitsweisen pflegen.     Sprachprobleme, die nicht nur Personen mit Einwanderungsgeschichte sondern auch Personen aus Familien mit beschränkten Bildungszugängen betreffen, bringen weitere Schwierigkeiten für die Gestaltung der Ausbildung mit sich – insbesondere hinsichtlich der Fachsprachlichkeit. Auch pädagogisch ist die wachsende Vielfalt eine Herausforderung. Es stellt sich die Frage, wie sich vor dem Hintergrund der heterogenen Eingangsleistungsprofile pädagogisch wirksam berufspraktisches Lernen gestalten lässt. Dies bedeutet in der Praxis beispielsweise, 16-jährige Schulabgänger*innen mit Abbrecher*innen eines BWL-Studiums in ein gemeinsames Lernkonzept zu integrieren.

Beim nächsten Ausbildungsleitungstreffen, das voraussichtlich im Januar 2018 stattfinden wird, wollen sich die Partnerbetriebe mit praktischen Ansätzen und guten Beispielen der Didaktik und Rahmenbedingungen auseinandersetzen, die der zunehmenden Heterogenität der Auszubildenden besser gerecht werden.