Ausbildung: Eine Frage der Einstellung

Über 120 Partner*innen und Unterstützer*innen aus Betrieben, Schulen, Politik, Verwaltung, Gewerkschaften, Verbänden und Trägern versammelten sich am Freitag, den 16. Juni 2017 im Friedrichstadt-Palast zum achten Konsortialtreffen von Berlin braucht dich!

Ferda Sönmez, Vorstand BQN; Klaus Kohlmeyer, Geschäftsführer BQN; Jilet Ayse (v.l.n.r.)

Im festlichen Ambiente des Palastes drehte sich die Jahrestagung des Konsortiums rund um das Motto: „Ausbildung – eine Frage der Einstellung!“. Nach der parodistischen Einleitung durch Moderatorin Jilet Ayse und die motivierende Begrüßung durch BQN-Vorständin Charlotte Kruhøffer, nutzte der Integrationsbeauftragte des Senats von Berlin, Andreas Germershausen, die Gelegenheit um das gemeinsam Erreichte zu würdigen. Er betonte gleichzeitig, dass das schwierigste Stück Weg mit Blick auf die interkulturelle Öffnung des Übergangs Schule – Beruf noch vor uns liegt.

Die Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte auf dem Arbeitsmarkt erweist sich als hartnäckig. Umso wichtiger sei es, so Germershausen, die gemeinsamen Anstrengungen in Sachen „Einstellung“ bei Berlin braucht dich! noch einmal zu verstärken.

Deshalb initiiert der Integrationsbeauftragte eine neue Kampagne, für die er den Startschuss gab. Unter dem Motto „Ausbildung: Eine Frage der Einstellung“ zeigen Betriebe und Behörde dabei gemeinsam Gesicht für mehr Vielfalt in der Ausbildung. In einem Rahmenmotiv werden für die Kampagne individualisierte Plakate hergestellt – mit Gesichtern aus den Betrieben und Behörden, die für Vielfalt stehen. Ziel ist es, die Instrumente von Berlin braucht dich! in die Breite zu tragen und Schulen und Betriebe anzusprechen, die von den Werkzeugen zur interkulturellen Öffnung des Übergangs Schule – Beruf profitieren können. Bisher mit an Bord sind: Vivantes, IT-Dienstleistungszentrum Berlin, Berliner Bäderbetriebe, Bezirksamt Neukölln, Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Freie Universität Berlin, Berliner Feuerwehr, Howoge, Stadt und Land.

Ankündigung der Kampagne: Ausbildung - Eine Frage der Einstellung - Integrationsbeauftragter Andreas Germershausen und Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach

Nachdem einige Jugendliche aus Kooperationsschulen selbst über ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten auf dem Weg in die Ausbildung berichteten, wurden diese Herausforderungen im Podiumsgespräch zur Frage „Ausbildung- (k)eine Frage der Einstellung?“ aufgegriffen: Wie offen ist die Ausbildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund heute? Was können wir tun, um einen Durchbruch zu erreichen?

Auch die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach, betonte in ihrer politischen Rede: „Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen aber an einigen Stellen nochmal anschubsen.“ Sie verknüpft dazu in ihrer politischen Agenda die beiden Achsen Arbeitsmarkt- und Integrationspolitik: „Berlin verfügt als Arbeitgeber über die Möglichkeit, die eigene Verwaltung und die Betriebe mit Landesbeteiligung durch gezielte Personalpolitik interkulturell zu öffnen und mit gutem Beispiel voran zu gehen.“ Berlin braucht dich! habe hier wesentlichen Anteil am insgesamt positiven Trend. Den Konsortialansatz, bei dem Schulen und Betriebe Hand in Hand arbeiten, bezeichnete sie als die richtige Antwort auf eines der Schüsselprobleme der Stadt: die Ausgrenzung von Jugendlichen aus Familien mit Einwanderungsgeschichte.

Die anschließenden Workshop-Runden zu unterschiedlichen Themen boten den nötigen Raum für die konstruktive Weiterarbeit und auch für kontroverse, anregende Debatten: Wie können Schulen und Betriebe positiv einwirken auf das Spannungsfeld zwischen Überlastung und Empowerment bei den Jugendlichen? Welche rechtlichen Grundlagen sind nötig, um bei Einstellungsverfahren die richtigen Antworten auf ungleiche Startbedingungen zu finden? Und wie können die Erfahrungen aus der Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen sich positiv  auf die interkulturelle Öffnung insgesamt auswirken?

Die Präsentation der Ergebnisse und eine kritische Einordnung zeigten: Der Weg wird nicht einfach sein, aber wenn alle Beteiligten am Ball bleiben, kann der Konsortialansatz Ausgrenzung erfolgreich abbauen. Das Konsortium hat die richtigen Werkzeuge entwickelt. Diese müssen jetzt in der Breite wirksam werden. Dann ist ein Durchbruch möglich.