Schulleitungstreffen der Berlin braucht dich! Schulen

Niemand geht verloren – jede/r wird gebraucht! Wie erreichen wir mehr Übergänge in die Ausbildung?

Unter dieser Fragestellung trafen sich am 12. Mai über 40 Schulleiter/innen und BO-Koordinatoren/innen aus insgesamt 22 Berlin braucht dich! Schulen. Es ging um einen gemeinsamen Dialog und Austausch, wie in Zukunft mehr geeignete Schüler/innen nach der Schule in die duale Ausbildung münden können.

Die Veranstaltung wurde moderiert von Andreas Germershausen, dem Beauftragten des Berliner Senats für Integration und Migration, der gleich zu Beginn darauf hinweist, dass es integrationspolitisch zentral sei, den Übergang von der Schule in die duale Ausbildung zu verbessern. Dies könne nur durch eine intensivere Kooperation zwischen Betrieben und Schulen gelingen.

Es folgten Inputs aus verschiedenen Perspektiven:

Im ersten Input berichtet Klaus Kohlmeyer, Geschäftsführer von BQN Berlin, über die Situation im Berlin braucht dich! Konsortium: Es gebe auf Betriebsseite durchaus Anstrengungen, mehr Jugendliche in eine Ausbildung zu bringen, z.B. durch Überprüfung der eigenen Bewerbungsverfahren, Aufwertung von Praktika als zusätzliches Plus im Bewerbungsverfahren, Übernahme ausgewählter Schüler/innen in Ausbildung ohne Tests etc. Jedoch seien die Öffnungsprozesse noch sehr fragil. Betriebe beklagten, dass zu viele Schüler/innen oft nicht die richtigen für ein Praktikum seien, eigentlich das Abitur anstrebten und sich nicht für eine duale Ausbildung interessieren.  

Aus diesem Grund müsse die Schulseite gezielter bei der Auswahl von Schülern/innen für Berlin braucht dich! Praktika vorgehen und mehr Augenmerk auf die Schüler/innen richten, die die Potentiale und das Interesse für einen duale Ausbildung hätten. Dabei gebe es durchaus Schulen die als positive Beispiele im Konsortium gute Übergangsquoten von mehr als 15% auf über 20% aufweisen. BQN Berlin wird diesen Prozess auch mit neuen Angeboten, wie dem Berlin braucht dich! Club unterstützen, der eine individuelle Begleitung und Motivation von Schülerinnen und Schülern von der Schule in die Ausbildung vorsieht.

Dr. Thomas Nix von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft betont, dass es eine Vielzahl von Veränderungen im Rahmen der Schulstrukturreform gegeben habe, die Schulen ausreichend Möglichkeiten gäben, sich zu entfalten. Dies gelte insbesondere auch für Berufs- und Studienorientierung. Wichtig sei es, eine „intrinsische Motivation“ bei den Schülerinnen und Schülern zu erzeugen und mit der Botschaft „Wir brauchen dich!“ zu vermitteln: „Ihr hab die Möglichkeit, etwas zu verändern und könnt Einfluss nehmen!“

Annedore Dieker: Als Schulleiterin der Theordor-Heuss Gemeinschaftsschule betont Frau Dierker, die Notwendigkeit, die Übergänge in duale Ausbildung zu steigern und wünscht sich eine verankerte Berufsorientierung  auch der Sekundarstufe II. Die Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Perspektive dürfe dabei nicht auf den WAT-Unterricht begrenzt sein. Politisch sei das Konzept der Ausbildungsgarantie auch im Land Berlin umzusetzen.

Michael Kämmerer, Schulleiter der Hemingway Schule, macht deutlich, dass Schülerinnen und Schüler „abgeholt und begleitet“ werden müssten. Schule sei der zentrale Ort, an dem grundlegende Kenntnisse und soziale Fähigkeiten für das spätere Berufsleben vermittelt werden.

Burkhard Puwalla, als BO-Koordinator betont den Wert einer individuellen Beratung und enge Begleitung der Schüler/innen, der sehr effektiv sei, wie an den überdurchschnittlich hohen Übergangszahlen sehen könne.

Nuri Kiefer
, Schulleiter des Campus Hannah Höch, berichtete von der Teilnahme seiner Schule an dem Netzwerk „Starke Schule“ als ein wichtiges Element, um sich regelmäßig über Maßnahmen zur Verbesserung der Koordinierung des Übergangs Schule-Beruf auszutauschen.

In der anschließenden Diskussion wurde von Paul Wellenreuther, Fachbereichs-leiter WAT der Johanna-Eck-Schule, angemerkt, dass gerade die neu eingeführten Teams für Berufs- und Studienorientierung (BSO) eine große Hilfe bei der Motivation von Schülerinnen und Schülern seien. Mengü Özhan, die stellvertretende Schulleiterin der Johanna-Eck-Schule, ergänzte dazu, dass hierbei insbesondere das Modell der Rollenvorbilder aus den Communities noch nicht voll ausgeschöpft sei. Diese könnten als Mentoren am effektivsten den Weg ebnen und den Jugendlichen dabei helfen, im Berufsleben anzukommen.

Doreen Siebernik, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellt die offene Frage, was von „guter Schule“ erwartet wird und welche Rahmenbedingungen und Ressourcen ‚gute Schule‘ brauche. Insbesondere für gute Sozialarbeit sei der Faktor Zeit wichtig. Die GEW stünde ihrerseits als Partner auch im Bereich Berufsorientierung mit einer Vielzahl von Angeboten zur Verfügung.

Charlotte Kruhøffer: Aus der Perspektive der Betriebe erläuterte Charlotte Kruhøffer von Vivantes, wie in ihrem Unternehmen im Rahmen des Berlin braucht dich! Piloten „Gut ankommen in der Ausbildung“ erste Ansätze erprobt werden, Schülerinnen und Schüler auch langfristig von Betriebsseite aus zu begleiten. Gerade der neu eingerichtete „Gesundheitsclub“ sei ein „geschützter Raum“, um nicht nur Fachwissen über mögliche Ausbildungsberufe zu vermitteln, sondern auch Probleme in der Schule und Ausgrenzungserfahrungen zu thematisieren. Im Rahmen der Überprüfung der Einstellungsverfahren werde zwar nicht auf Einstellungstests verzichtet, diese seien aber nicht mehr zum „Aussortieren“, sondern zur Ermittlung des Kenntnisstand der einzelnen Jugendlichen da, so Kruhøffer. 

Thoralf Marks: Die große Bedeutung gezielter Berufsorientierung betonte Thoralf Marks vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg. Zwar könne die Schule nicht allen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden, es gelte aber die vorhandenen Angebote „zwingender“ zu machen. Fünf Punkte, so Marks, seien für die Verbesserung des Übergangs in die Ausbildung unverzichtbar:

1. Die Schulen werden von den Betrieben als verlässliche Partner gebraucht;
2. Praktika müssen in der Schule gewissenhaft vor- und nachbereitet werden;
3. Berufsorientierung muss an den Schulen oberste Priorität haben;
4. Ein intensives Coaching sei wichtig, damit Schüler/innen ankommen;
5. Chancengleichheit „durch die Hintertür“ sei nicht sinnvoll, sondern direkte, begleitende Ansätze wie zum Beispiel der Berlin braucht dich! Club.

Zum Schluss der Veranstaltung betonte Andreas Germershausen, dass nicht nur die Schülerinnen und Schüler gefordert seien, sich an die Unternehmen anzupassen, sondern dass auch die Unternehmen sich an die Schülerinnen und Schüler anpassen müssten. Hierbei gelte es nicht, Standards zu senken, sondern es müsse überprüft werden, wie Hürden abgebaut werden könnten unter der Voraussetzung, dass zuvor im Rahmen der Vierstufigkeit eine gezielte Berufsorientierung und -vorbereitung stattgefunden habe.

Als Ausblick stellte Dr. Anne von Oswald, Projektleiterin von Berlin braucht dich!, die neue Schulvereinbarung vor, die passgenau für jede Schule gemeinsam mit Schulleitung und Bo-Koordinator/in ausgearbeitet werde. Das Schulteam von BQN Berlin unterstützt die Schule in der nachhaltigen Verankerung der interkulturell sensiblen Berufsorientierung im Schulalltag sowie der Konsolidierung der Berlin braucht dich! Angebote in der Schule. 

Die erste Schulvereinbarung wurde bereits im April 2016 von der Ernst Reuter Schule unterzeichnet. Es folgen bis Beginn des Neuen Schuljahres 2016/17 alle weiteren Schulen von Berlin braucht dich!.