Ausbildungsrealität zum Anfassen und Ausprobieren

Auf Augenhöhe mit Auszubildenden und Ausbilder*innen konnten 281 Schüler*innen im Rahmen von zwei „Direktansprachen“ ihre Neugierde auf den nächsten Lebensabschnitt stillen und Hemmnisse abbauen.

„Kann man selber entscheiden, wann man Urlaub macht? Sitzt ihr den ganzen Tag im Büro? Gibt es eine Dienstbekleidung?“

Ihre zukünftigen Arbeitskolleg*innen treffen die Mädchen und Jungen aus insgesamt 16 Schulen im Klassenraum. In gewohnter Umgebung gibt es ihnen die Chance, sich der neuen Lebensrealität in einem offenen Dialog zu nähern und ein Gefühl dafür zu bekommen, was sie in der Ausbildung erwartet. Junge Auszubildende berichten über Ihre Erfahrungen der ersten Lehrjahre und geben Tipps und Tricks, um im Bewerbungsverfahren zu bestehen.

Eine Gruppe junger Mädchen aus den 10. Klassen der Johanna-Eck-Schule interessiert sich für eine Verwaltungstätigkeit im Büro. Sie freuen sich über die Möglichkeit für ein paar Stunden aus ihrem Schulalltag auszubrechen und besuchen zum ersten Mal die Carl-von-Ossietzky-Gemeinschaftsschule, wo die Direktansprache stattfindet. Bevor sie die zwei Auszubildenden des Berliner Kammergerichts kennenlernten, interessierte Sie an der Tätigkeit der Justizsekretärin vor allem das gute Gehalt und der sichere Beamtenstatus. Nun erfahren Sie, dass sie täglich den Einblick in spannende Rechtsfälle erhalten, jedoch viel Zeit am Schreibtisch verbringen würden. Sie sind erstaunt darüber, dass es in dem Beruf flexible Arbeitszeiten gibt. Am wichtigsten ist jedoch, dass die potentiellen Kolleginnen sehr sympathisch rüberkamen und sie das Gefühl hatten, dass sich das Kammergericht redlich bemüht, sie als Auszubildende zu gewinnen.

Die Betriebe suchen in der Begegnung außerhalb der förmlichen Arbeitswelt nach der Nähe der Schüler*innen, um sie dort abzuholen, wo sie sich gerade befinden: Am Übergang Schule-Beruf. Viele der teilnehmenden Schüler*innen wirken bei der Direktansprache, die am Ende der 9./ Anfang der 10. Jahrgangsstufe im Rahmen von Berlin braucht dich! veranstaltet wird, sehr interessiert, aber noch unentschlossen. Deshalb bemühen sich die Betriebe mit praktischen Aufgaben zum Ausprobieren, durch Gruppenquize über ihre Berufe und viele Anekdoten aus dem Arbeitsalltag, den Funken der Begeisterung für eine Ausbildung auf die jungen Menschen überspringen zu lassen. In den Workshops herrscht meist eine lockere Atmosphäre und die Schüler*innen freuen sich, wenn sie mit ihrem Vornamen direkt angesprochen werden. Die meisten Auszubildenden hier haben sich freiwillig gemeldet, um die folgende Generation von ihrer Ausbildung zu begeistern. Sie freuen sich über interessierte Schüler*innen und hoffen, dass alle mitmachen und aufmerksam zuhören. Am Ende sind sie begeistert davon, welche Fragen die Jugendlichen an sie richten.

Ein Schüler aus der Gemeinschaftsschule am Campus Rütli interessiert sich für Flugzeuge, da er oft zur Familie in die Türkei oder nach Frankreich fliege, und besucht daher die Vorstellung des Ausbildungsberufes „Industriemechaniker*in“ vom Flughafen Berlin Brandenburg. Er ist erstaunt darüber, dass sich der Imagefilm, die Geschichten aus dem Ausbildungsalltag der Auszubildenden, ein sich anschließendes Quiz und die praktische Aufgabe vor allem um das Flughafengebäude drehen. Er habe zuvor zum ersten Mal vom höheren Dienst der Polizei erfahren, empfand die Ansprache als sehr sympathisch und überlege nun, nach dem Abitur dort eine Laufbahn zu beginnen. Dies macht deutlich, wie empfänglich und dankbar die Jugendlichen für neue Impulse an einem solchen Wendepunkt ihres Lebens sind. Die meisten von Ihnen sehen sich noch nicht im Beruf, sondern planen die Schullaufbahn mit dem Abitur fortzuführen. Für alle anderen bietet die Direktansprache eine Möglichkeit sich ihrer Entscheidung für einen Ausbildungsberuf noch einmal zu vergewissern oder sich damit anzufreunden.

Die diesjährigen Direktansprachen fanden am 22. und 29. August von 9 bis 14 Uhr an der Carl-von-Ossietzky-Gemeinschaftsschule in Kreuzberg und an der Herbert-Hoover-Schule in Berlin-Mitte statt. Dabei trafen die Berliner Polizei, Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Berliner Verkehrsbetriebe, Berliner Wasserwerke, Charité, Deutsche Rentenversicherung, Feuerwehr, Flughafen Berlin Brandenburg, Friedrichstadt-Palast, IT-Dienstleistungszentrum, Kammergericht Neukölln, Mercedes, PACE, Visit Berlin, Vivantes auf Schüler*innen. In drei Vorstellungsrunden á 45 Minuten hatten die Schüler*innen des 10. Jahrgangs die Möglichkeit die Betriebe auf Augenhöhe kennenzulernen.