Digitalisierung als Lernfeld für Schulen und Betriebe!

Das Thema „Digitalisierung in der Bildung“ ist seit Jahren ein gesellschaftlicher Dauerbrenner. Durch den DigitalPakt Schule wurde das Thema jüngst nochmal zusätzlich angeheizt. 257 Millionen Euro stehen dem Land Berlin in den nächsten fünf Jahren für den Auf- und Ausbau der digitalen IT-Infrastruktur in den Schulen zur Verfügung. Wie das Geld genutzt werden kann, um der Zielgruppe junger Schüler*innen in besonderen sozialen Risikolagen über individuelle Lern- und Digitailisierungsangebote die Chancen auf eine erfolgsversprechende Teilhabe am Arbeits- und Ausbildungsalltag zu ermöglichen, wird seit etwas mehr als einem Jahr im Projekt Berlin braucht dich! analysiert und diskutiert.

Nachdem das Workshopangebot zu diesem Thema auf dem 10. Berlin braucht dich! Konsortialtreffen auf starkes Interesse stieß, wurden die angeregten Diskussionen in einer Auftaktveranstaltung mit dem Titel „Vielfaltsgerechte Zugänge im Übergang Schule-Beruf durch Digitalisierung in Ausbildung und Schule“ am 25. September 2019 fortgeführt und vertieft. Ziel der Veranstaltung war es, den Stand der Entwicklung in Schulen und Betrieben sichtbar zu machen, Bedarfe zu erkennen und den Herausforderungen mit ersten Ansätzen und Ideen zu begegnen. 23 Vertreter*innen von Schulen und Betrieben sowie weiterer Institutionen an der Schnittstelle zur Arbeitswelt, wie die Agentur für Arbeit oder die Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung trafen sich auf Einladung von BQN Berlin und seinem Kooperationspartner für die didaktische Begleitung Netbased Learning Institute im IT-Dienstleitungszentrum Berlin. Dabei stand eines im Fokus: Es braucht einen stärkeren Austausch zum Thema Digitalisierung am Übergang Schule-Beruf.

Nach einer Begrüßung durch Sabine Carras, Ausbildungsleiterin am IT-Dienstleistungszentrum und den Organisator*innen beschrieb Anja Walter von der Wirtschaftsförderung Brandenburg die Marktsituation in Brandenburg. Dabei betonte sie, dass der digitale Wandel in der Wirtschaft primär ein betriebs- und arbeitsorganisatorisches Phänomen darstelle, welches zu einem erhöhten Bedarf an beruflicher Weiterbildung führe. Auszubildende wie auch Ausbilder*innen müssten zukünftig Prozess- und Organisationswissen erlangen, damit sie den Herausforderungen der Vernetzung gerecht werden können. Daniel Wucherpfennig vom DGB Bezirk Berlin-Brandenburg kommt zu einer ähnlichen Schlussfolgerung und ergänzt, dass Auszubildende bei der Nutzung digitaler Technologien vor Herausforderungen stehen und darauf unzureichend vorbereitet seien. Je größer ein Betrieb, desto fortgeschrittener sei das Qualifizierungsangebot im Hinblick auf die Digitalisierung. Das sei ein entscheidender Aspekt für die Attraktivität eines Betriebes bei Auszubildenden. Beide Institutionen haben das Thema im Vorfeld erforscht durch empirische Studien bei Betrieben und Auszubildenden.

Das Netbased Learning Institute verdeutlichte in einem weiteren Input, wie den oben beschriebenen Herausforderungen bereits in der Schule begegnet werden könne. Ihr Ansatz basiere auf dem Konzept des selbstorganisierten Lernens, welcher Schüler*innen in die Lage versetze, sich notwendige Kompetenzen und Fähigkeiten selbst anzueignen. Dies bereite auch auf zukünftige Anforderungen als Arbeitsnehmer*innen vor. Die Steuerung über ein digitales Lernmanagementsystem ermögliche zudem eine raum- und zeitunabhängige Lerndokumentation und somit größtmögliche Spielräume für das selbstorganisierte Lernen. Die anschließenden Diskussionen zeigten, dass Schulen und Betriebe sehr unterschiedliche Voraussetzungen für die Förderung von neuen Kompetenzen mitbringen. Während in vielen Schulen digitale Hilfsmittel für die Unterrichtsorganisation eingesetzt werden, gab es sehr unterschiedliche Ansätze dazu, wie der Umgang mit Smartphones bei den Schüler*innen gehandhabt wird. In manchen Schulen gilt Handyverbot auf dem Schulgelände, andere erlauben das Gerät und fördern sogar gegenseitigen Austausch von Unterrichtmaterialen zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen über das Smartphone. Zudem bestehen große Unterschiede in der technischen Ausstattung der einzelnen Schulen. Es gibt Schulen für die Notebookklassen und projektorientiertes Arbeiten bereits zum Schulalltag gehören und andere bei denen zwar Whiteboards im Klassenzimmer installiert werden, aber eine fehlende Schulung des Lehrpersonals keine Nutzung zulässt. Weitere Unterschiede bestehen in der Motivation der Lehrer*innen sich den neuen Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu stellen. Somit hängt die Förderung der Schüler*innen stark davon ab, welche Schule besucht wird und welche*r Lehrer*in unterrichtet. Die Betriebe berichteten, dass projektorientiertes sowie selbstorganisiertes Lernen und die Unterstützung durch digitale Hilfsmittel bereits zum Ausbildungsalltag gehören. Für viele Auszubildende, die andere Lernformen in der Schule gewohnt waren, stellt das zunächst eine Herausforderung dar.

Die Teilnehmer*innen von Schulen und Betrieben waren sich einig, dass ein Erfahrungsaustausch dabei helfen könne, der Ungleichheit des digitalen Wandels in Unterricht und Ausbildung etwas entgegen zu setzen. Dabei könne eine gemeinsame Austauschplattform helfen. Denkbar wäre die Nutzung des bereits bestehenden Matching-Tools, aber auch eine Lernplattform, wie sie vom Netbased Learning Institute vorgestellt wurde. Die gegenseitige Unterstützung von Schulen und Betrieben könne realisiert werden in Form von Wissenstransfers für Online-Bewerbungen, Prozessunterstützung bspw. beim Aufbau von IT-Infrastruktur oder gemeinsamen Fortbildungen. So könne es gelingen den Wandel gemeinsam zu steuern und den Übergang Schule-Beruf niedrigschwelliger zu gestalten. Die Idee der Etablierung eines gemeinsamen, digitalen Lernraumes, welcher Unterricht und Praktikum miteinander verknüpft, wurde positiv aufgenommen. Wie diese Ideen konkret umgesetzt werden können, werten BQN Berlin und Netbased Learning Institute gemeinsam aus. Daraus soll noch in diesem Jahr ein Konzeptentwurf entwickelt werden, der in einem Folgetreffen diskutiert wird.